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Presse

Gießener Allgemeine vom 19.5.2026

Mal sanft, dann schmetternd

emBRASSment ersetzt auf dem Schiffenberg souverän ein komplettes Orchester

Zum Auftakt der Basilika-Konzerte auf dem Schiffenberg baute der Meisterkonzertverein auf ein bewährtes Ensemble: Das Leipziger Blechbläserquintett emBRASSment war hier bereits vor zehn Jahren aufgetreten und bereitete nun erneut ungetrübtes Hörvergnügen.

Nick Pscheidt und Christian Scholz (Trompeten) sowie Luis Oliveira (Horn), Lars Proxa (Posaune) und Nikolai Kähler (Tuba) hatten zum 25-jährigen Jubiläum des Ensembles ein Programm mit beliebten Kompositionen aus diversen Epochen zusammengestellt. Einen Vorgeschmack auf die unterhaltsame Matinee gab das Stück „Butterfly“ von Mia Makaroff (Jahrgang 1972). Das war eine melodisch eingängige, stimmungsvolle Kostprobe. In der kantablen, klanglich ausbalancierten Interpretation ließ sich gut heraushören, dass das Stück ursprünglich für Vokalgruppen komponiert wurde.

Auf dieser nuancierten Linie blieben die weiteren Darbietungen. So schien in drei Sätzen aus Henry Purcells „Abdelazer Suite“ der Ausdruckscharakter gut getroffen. Einer gravitätisch-ernsten „Ouvertüre“ mit deutlich kontrastierendem, virtuosem Schlussteil folgte ein „Rondo“, das vielen Besuchern bereits vertraut gewesen sein wird, allerdings nicht häufig mit solch betörend warmer Brillanz zu erleben ist. Ein Genuss war auch das feierliche „Air“.

Tubist Nikolai Kähler bereicherte das Programm durch seine fundierte Moderation, so vergegenwärtigte er zu Edvard Griegs „Peer Gynt-Suite“ Nr. 1 die Handlung des zugrundeliegenden Dramas von Henrik Ibsen und erleichterte so den Zugang. Schattierungsreich spielte das Ensemble die berühmte „Morgenstimmung“, dabei wanderte das Thema reizvoll zwischen den Instrumenten. In „Ases Tod“ erklang die Melodie erst in der Posaune, dann in der Trompete und zauberte schwermütige Atmosphäre in die Basilika. So farbig wie stimmungsvoll geriet auch „In der Halle des Bergkönigs“. Fließend steigerten die Bläser hier das Tempo und rundeten das hervorragende Bild ab.

Die besondere Stärke des Quintetts lag darin, wie differenziert es ein Orchester imitierte, zuweilen aber auch neue Facetten erzeugte. Dies zeigte sich auch in den ersten beiden Sätzen aus Nikolai Rimski-Korsakows sinfonischer Suite „Scheherazade“: Das Arrangement stand dem Original an klanglicher Intensität nicht nach, derart lebhaft reizte emBRASSment das Spektrum aus zwischen sanften und schmetternden Tönen.

Filmmusikartige Atmosphäre machte sich dann in Ausschnitten aus Gustav Holsts Suite „The Planets“ breit, während Georges Bizets „Carmen-Fantasie“ Opernmelodien in komprimierter Form brachte. Das Ensemble widmete sich durchweg Werken mit Wiedererkennungswert, dies galt auch für zwei Tänze aus Enrique Crespos „Amerikanischer Suite“ Nr. 1: ersteres walzerhaft-beschwingt, letzteres eher besinnlich und ein weites argentinisches Landschaftspanorama vor Augen führend. Den Abschluss markierte das peppig arrangierte Stück „El Cumbanchero“ von Rafael Hernández mit effektvollem Schlagwerkeinsatz. Für den kräftigen Beifall dankte emBRASSment mit zwei Zugaben, zuletzt ein Bach-Choral, der dem Konzert eine spirituelle Schlusswendung verlieh. Sascha Jouini