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Gießener Allgemeine vom 

Traditionelle und moderne Töne

Von: Sascha Jouini

Drei der Musikerinnen in der vielfältigen Matinee auf dem Schiffenberg. © Sascha Jouini

Experimentelles und Althergebrachtes gingen beim Auftritt des Frankfurter Ensembles Flötenspektakel eine famose Verbindung ein. Die Besucher in der Basilika auf dem Schiffenberg waren restlos begeistert.

Der Meisterkonzertverein tut gut daran, bewährte Künstler erneut zu gewinnen. So war das von Frankfurter Musikerinnen gebildete Ensemble Flötenspektakel in anderer Konstellation bereits zweimal bei den Basilika-Konzerten auf dem Schiffenberg zu Gast gewesen. Wieder vermochte nun das 2010 beim Ensemblewettbewerb der »Deutschen Gesellschaft für Flöte« ausgezeichnete Oktett die Besucher restlos zu begeistern.

Die Matinee bot eine gelungene Mischung aus traditioneller und Neuer Musik. Da stand leicht Zugängliches fordernden Kompositionen gegenüber. Zudem barg das Konzert auch noch manch Überraschung durch Programmänderungen.

Spielweise, die weite Bogen schlägt

Neugier weckte die Spannung erzeugende langsame Einleitung zur Ouvertüre von Wolfgang Amadeus Mozarts Oper »Cosi fan tutte«. Sie mündete in einen virtuosen Hauptteil, bei dem die vorausschauende, weite Bogen schlagende Spielweise beeindruckte.

Das Ensemble widmete sich nicht nur solch kunstvollen Arrangements, sondern auch Originalwerken. Dazu zählte das moderne Stück »Cosmic Dawn« des nordirischen Komponisten Gareth McLearnon (*1980). Darin traten erweiterte Spieltechniken wie Luftgeräusche oder gestoßene Töne hervor. Die Bassmelodie zu Beginn erinnerte an einen geheimnisvollen Kult, im Ganzen faszinierte der experimentelle Charakter.

Althergebracht mutete demgegenüber »Venezolanische Volksmusik« an, darunter ein mit Lokalkolorit gewürzter Walzer sowie ein mit perkussiven Elementen bereicherter Tanz von ansteckender Fröhlichkeit. Ein Genuss auch die temperamentvoll gespielte Schlussnummer.

Da man die ganze Querflötenfamilie eher selten zusammen erlebt, gefiel besonders, dass die Künstlerinnen die Instrumente jeweils einzeln präsentierten. So konnten sich die Hörer deren Klangcharakter einprägen. Hell und durchdringend tönten die Piccoloflöten im Lied des Kinderchors aus Georges Bizets Oper »Carmen«, ganz warm und weich demgegenüber die Altflöten in »Evening Rise«. Grummelnde Bass- und Kontrabassflöten kamen dagegen in Henry Mancinis Musik zur Kriminalkomödie »The Pink Panther« zum Einsatz.

Noch mysteriöser war »Das Spukschloss« des französischen Komponisten Nicolas Avinée: Das Stück regte an, sich eine furchteinflößende nächtliche Szenerie vor Augen zu halten.

Im Saal verteilt musiziert

Im Ganzen glückte dem Ensemble die Balance zwischen rarem und wohlbekanntem. Zu Letzterem zählte die mit feinem Rhythmusgefühl gemeisterte Ouvertüre zu Leonard Bernsteins Musical »Candide«.

In einem anderen modernen Stück, »Q for Quarantined Flute Choir« (2020) von Sarah Bassingthwaighte, spielten die Flötistinnen im Saal verteilt, dies erinnerte ein wenig ans Musizieren unter Corona-Bedingungen.

Das Spektrum der hörenswerten Matinee reichte bis hin zu Théodore Dubois‹ angesichts der sich zuspitzenden weltpolitischen Lage aktuellen »Song of Peace«.

Zu guter Letzt schien »In a Persian Market« (1920) von Albert Ketèlbey orientalisches Markttreiben herbeizuzaubern. Für den wohlverdienten Beifall dankte das Ensemble mit »Tico-Tico no Fubá« als Zugabe.