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Gießener Allgemeine vom 27.6.2022

Kniffliges unterhaltsam-locker präsentiert

 

Das Deutsche Saxofon Ensemble fesselt die Besucher in der Basilika. © Sascha Jouini

Gießen (jou). Die Besucher kamen am Sonntag beim fast ausverkauften Basilika-Konzert in den Genuss anregender Darbietungen des Deutschen Saxofon Ensembles. Manche werden das Ensemble bereits von den Wettenberger Winterkonzerten gekannt haben. Annalena Neu (Sopran), Monika Leufgen (Alt), Regina Reiter (Tenor) und Katharina Stashik (Bariton) boten vorwiegend Originalkompositionen für Saxophone.

Am Beginn stand indes eine Bearbeitung von Antonio Vivaldis Concerto g-Moll. Das eröffnende Allegro spielten die Musikerinnen mit vorantreibendem Schwung. Die Interpretation mutete eher modern an, fast ein wenig glatt. Behutsamer gestaltete das Ensemble das ruhige Largo und entlockte ihm eine Fülle klanglicher Facetten. Wie beim Kopfsatz eilte das Ensemble auch im Schluss-Allegro zu sehr im Tempo. Dabei hatten die erfahrenen Musikerinnen es eigentlich gar nicht nötig, Virtuosität zur Schau zu stellen.

Überzeugender geriet das neoklassizistische Quartett f-Moll von Hugo Reinhart (geb. 1958). So hielt sich das Ensemble im ersten Satz an die Tempoanweisung »Allegro non troppo« und ließ mit seiner ausdrucksvollen Gestaltung keine Wünsche offen. Die nervösen, fast hitzigen Züge ließen sich beim Scherzo kaum lebhafter treffen; in Kontrast dazu stand der sanfte Trio-Teil. Sehr schön entfaltete sich die Melodie im Adagio, derart sensibel spielte das Ensemble. Da berührten Momente tiefer Melancholie. Den Trübsinn wischte das energische Presto-Finale im Nu beiseite.

In eine andere Klangwelt führte danach eine Auswahl von drei der sechs Sätze des Quartetts von Ida Gotkovsky (geb. 1933) mit dem suggestiven, auf unmittelbare Wirkung zielenden Charakter. An den verzweifelten Versuch, mit einer trostlosen Situation zurechtzukommen, erinnerte die Musik im Lento, während das Scherzo mit den scheinbar unaufhaltsamen Läufen Entschlossenheit herüberbrachte und in hartnäckigen Höhepunkten mündete.

Saxofon-Samba als Zugabe

Von Pierre-Max Dubois (1930 bis 1995), einem weiteren bedeutenden Saxofon-Komponisten, stammte das Werk »L’Imprévu«, das eingangs Assoziationen an geschäftiges Großstadttreiben weckte und voller humorvoller Wendungen steckte. Das Ensemble spielte die knifflige Musik so unterhaltsam-locker, als wäre dies die einfachste Sache der Welt. In nostalgischen Sphären schwelgen konnten die Hörer im langsamen Mittelsatz. Das rasche Finale rundete das Vergnügen ab.

Einen atmosphärisch intensiven Ruhepunkt setzte die Bearbeitung des Klavierstücks Nr. 2 »Oriental« aus Enrique Granados’ »12 Danzas Espanolas« in der klanglich fein austarierten Interpretation. Paul Rades Quartett verband zum Schluss originell klassische, moderne und jazzige Elemente und sorgte für einen gelungenen Abschluss der Matinee. Für den wohlverdienten Applaus dankte das Deutsche Saxofon Ensemble mit einer Samba-Zugabe.