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Gießener Anzeiger vom 23.6.2020

Eine Premiere auf dem Schiffenberg

"Klarinettentrio Schmuck" mit einem Programm von "Klassik bis Jazz" auf Einladung der Gießener Meisterkonzerte in der Basilika. Von Heiner Schultz

GIESSEN. Auch das zweite der aktuellen Basilika-Konzerte erwies sich als ohne Einschränkungen gelungen. Das "Klarinettentrio Schmuck" präsentierte ein Programm unter dem Motto "Von Klassik bis Jazz" mit Werken von Mozart bis Irving Berlin, die Gäste musizierten auf herausragendem Niveau und mit ansteckender Spielfreude. Die Zuhörer im ausverkauften Haus waren hingerissen.

Das "Klarinettentrio Schmuck" mit Sayaka Schmuck, Felix Welz und Yumi Schmuck auf dem Schiffenberg. Foto: Schultz

Zwar gelten in der Basilika auf dem Schiffenberg weiterhin strenge Sicherheitsregeln, doch bei schönstem Sonnenschein und, nicht unwichtig, auch innen angenehmen Temperaturen, konnte man sich mühelos in die Musik versenken. Ein Teil der Zuhörer, die keine Karte mehr erhalten hatten, nahm draußen in der Nähe Platz und kam so noch in den Genuss eines eingeschränkten Musikerlebnisses.

Sayaka Schmuck (Klarinette), Felix Welz (Bassetthorn) und Yumi Schmuck (Klarinette) sind allesamt renommierte Profis. Sayaka Schmuck, wie ihre Schwester aus Bad Waldsee (Baden-Württemberg) stammend, ist Preisträgerin verschiedenster Wettbewerbe. Nach verschiedenen Orchester-Engagements war sie bis 2013 Solo-Es-Klarinettistin im Gewandhausorchester Leipzig. Yumi Schmuck ist seit 2012 Solo-Klarinettistin beim Stadttheater Bremerhaven. Der Berliner Felix Welz schließlich ist seit 2013 fester Klarinettist und Bassklarinettist am Staatstheater Darmstadt. "Es ist für uns eine Premiere nach langer Zeit", freute sich Sayaka Schmuck zu Beginn, wobei sie auch ihre für den ursprünglich eingeplanten Till Renner eingesprungene Schwester Yuki Schmuck vorstellte.

Gießener Allgemeine vom 23.6.2020

Von Klassik bis Jazz von Olga Lappo-Danilewski

Die Klangpalette der Klarinettenfamilie breiteten am Sonntag die Schwestern Sayaka und Yumi Schmuck zusammen mit Felix Welz aus. Es war das zweite Konzert in der Schiffenberg-Basilika nach der Corona-Pause.

Nach einem ebenfalls den Bläsern gewidmeten Auftakt der Basilika-Konzertreihe am vergangenen Sonntag konnten sich wiederum gut 50 Zuhörer diesmal an einer "Crossover"-Matinee erfreuen: Das Klarinettentrio Schmuck demonstrierte seine Flexibilität und Musizierfreude in einem Programm von Mozart bis zu Jazz-Standards. Hoch professionelles künstlerisches Niveau paarte sich mit Leichtigkeit der Darbietung und informativer Conférence von Sayaka Schmuck, und die Stunde wurde zum abwechslungsreichen Genuss.

Die Schwestern Sayaka und Yumi Schmuck werden von Felix Welz souverän begleitet. FOTO: RW

Perfekt aufeinander eingespielt

Bearbeitungen aus Wolfgang Amadeus Mozarts "Zauberflöte", "Hochzeit des Figaro" und "Don Giovanni" gefielen, darunter "Dies Bildnis ist bezaubernd schön", Cherubinos "Voi che sapete" sowie "Reich mir die Hand mein Leben". Die virtuose Arie der Königin der Nacht imponierte in entsprechender Umsetzung für Klarinetten und Bassetthorn, punktgenau intoniert von den perfekt aufeinander eingespielten Schwestern und souverän begleitet von Felix Welz. Die Künstler sind sowohl langjährig tätige Orchestermusiker als auch erfahrene Solisten.

Einen Ausflug in die Romantik bot das Trio in genannter Besetzung mit zwei slawischen Tänzen von Antonin Dvorák, reizvoll im Wechsel von Dur und Moll, von Melancholie und übermütigem Temperament.

Den passenden Übergang von reiner Klassik zu Jazz stellte Claude Debussys "Little Negro" dar mit seinen hüpfenden Ragtime-Rhythmen, und mit Scott Joplins "The Strenous Life" wurde ein Klassiker lebendig. Paul Desmonds "Take Five" führte zum Dave Brubeck Quartett, und Sayaka Schmuck erinnerte daran, das dieses Stück mit dem zündenden Fünfvierteltakt 1959 in der Liste der amerikanischen Charts auftauchte. Da durfte "After I’ve Gone" von Turner Layton/ Benny Goodman mit seinem plastisch musizierten Swing nicht fehlen.

Nun kam die Bassklarinette zum Zuge, als Henry Mancinis verträumter "Moon River" mit langsamem Walzer in lyrische Gefilde entführte. Samba-Farben blühten auf in Zequinha de Abreus "Tico Tico", und die Freude am Spiel erreichte einen Höhepunkt im Schlussstück des Programms, Irving Berlins "Alexander’s Ragtime Band".

Publikum wünscht zwei Zugaben

Die Gäste wünschten sich per Beifall zwei Zugaben: In einem ausdrucksstarken, rhythmisch charaktertypischen Klezmer-Stück zeigte das Trio noch einmal deutlich musikantischen Impetus.

Mit einem friedvollen Arioso von Johann Sebastian Bach entließen die drei hochkarätigen Musiker ihr Publikum aus der stimmungsvollen Basilika hinaus in die Sonne.