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Faszinierende Klangfarben

vonDr. Olga Lappo-Danilewski
 
Gießen(rw). Gut 50 Besucher durften am Sonntag die Plätze in der Schiffenberg-Basilika in gebotenem Abstand und mit gelockerter Maskenpflicht besetzen. In dem luftigen Kirchenraum, akustisch optimiert durch die Vollverglasung der Mittelschiffbögen, gastierte das Klarinettentrio BlattArt mit seiner "Nach-Corona-Premiere". Zu der Matinee begrüßte mit offenkundiger Vorfreude Impresario Dieter Lindheimer die Künstler und das Publikum im ersten Konzert der Reihe. Bei Werken von Johann Sebastian Bach (1685-1750) bis zu dem Zeitgenossen Patrice Sciortino (geboren 1922) konnten die Zuhörer für gut eine Stunde ihren Durst nach Livemusik stillen.
Klarinettentrio BlattArt mit (v. l.) Ulrich Büsing, David Wolf und Aloisia Hurt. FOTO: RW © Dr. Olga Lappo-Danilewski
Etliche Blasinstrumente auf und neben der Bühne harrten ihrer Meister, darunter die im Orchester selten eingesetzten Bassetthörner sowie eine imposante Kontrabassklarinette. Den Klarinetten verschrieben haben sich Ulrich Büsing, Aloisia Hurt und David Wolf, die als Ensemble BlattArt seit gut 20 Jahren aufeinander eingespielt sind. Den passenden Einstieg boten sie mit Sätzen aus Wolfgang Amadeus Mozarts Divertimento Nr. 3 F-Dur für drei Bassetthörner, ein Warmspielen auf höchstem Niveau. Es folgte eine reizvolle Bearbeitung (Büsing) von vier dreistimmigen Inventionen, die Bach als formal beispielhafte Komponierproben für seinen Sohn Friedemann geschrieben hat. In der Besetzung Bassklarinette und zwei Klarinetten wurden die knappen Lehrstücke klanglich präsent.

Zu "Roseaux" des französischen Komponisten Patrice Sciortino sprach Ulrich Büsing von seiner Begeisterung für dessen Musik: "Ich habe ihn in Paris besucht, ein im hohen Alter sehr vitaler Mann." Entsprechend vital gelang die Realisierung des 1983 geschriebenen Werks mit seinen faszinierenden Klangfarben. Spannung baut sich auf, bricht ab, und dann generieren die Klänge eine pastose Farbpalette mit getupften oder geschnarrten Tönen und rasanten Läufen. Dabei spielen die tiefen Frequenzen der Kontrabassklarinette eine besondere Rolle. Stimmung und Zeitelemente wurden in der virtuosen Darbietung zu einem assoziationsreichen Miteinander.

Als Hochkaräter ihres Fachs überzeugten Büsing, Wolf und Hurt auch bei einer Wiener Komposition des jungen Ludwig van Beethoven (1770-1827). Sein ursprünglich für zwei Oboen und Englisch Horn geschriebenes Trio op. 87 hat Büsing für drei Bassetthörner bearbeitet. Dynamisch perfekt abgestuft musizierten die drei Bläser schnelle und langsame Tempi bis hin zum leichtgewichtigen Finale.

Seine Flexibilität bewies BlattArt bei den folkloristisch betonten Stücken für zwei Violinen von Bela Bartók, die Büsing überaus stilsicher für drei Bassetthörner umgestaltet hat. Orientalismen, ein Schreittanz zur Hochzeit, eine wilde bäuerliche Burleske, ein triststimmungsvoller "Abschied von der Braut", und schließlich die zündende Kolomejka mit ihrem punktierten Rhythmus - hinreißend musikantisch!

Ein humorvoll interpretierter "Dudelsack" erheiterte als Zugabe.