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Presse

Gießener Allgemeine vom 19.5.2025

Mit Klarheit und Energie

Heiner Schultz


Im ersten von vier Konzerten, die der Verein Gießener Meisterkonzerte in diesem Jahr in der Basilika auf dem Schiffenberg veranstaltet, erklangen Flöte und Gitarre. Und das war durchaus programmatisch, denn Holzbläser stehen in dieser Saison im Fokus.
Die Basilikakonzerte erlebten am Sonntag einen formidablen Auftakt. Das Duo Maximilian Mangold und Dante Montoya legte auf der Gitarre und der Querflöte einen geradezu beseelten und handwerklich perfekten Auftritt unter dem Motto »Klassik trifft Tango‹ hin. Das Publikum war hingerissen.
Die Fachzeitschrift »Gitarre Aktuell« bezeichnet Mangold als »Ausnahmegitarristen«. Er gibt als gefragter Solist zahlreicher Konzerte in Deutschland und Europa und ist ein ebenso vielseitiger Ensemblemusiker in Duos sowie mit Streichquartetten.
Der Mexikaner Montoya studierte an der Musikhochschule Detmold bei Prof. Hans-Jörg Wegner. Inzwischen hat er an der Hochschule für Musik Saar einen Lehrauftrag für Querflöte inne. Seine Konzerttätigkeit führte ihn bislang zu zahlreichen Engagements bei renommierten deutschen Sinfonieorchestern.
Schon der Beginn mit Francesco Molinos (1768-1847) Nocturne op. 37 in zwei Sätzen brachte eine sanft formulierte Flöte, gespielt mit lyrischer Leichtigkeit, ergänzt von einem flinken Duktus und schwerelos feiner Artikulation - eine bestechende Kombination. Der nächste Block: Celso Machados (*1953) »Musiques Populaires Brésiliennes«. Da herrschte ein fröhlicher Rhythmus, und mancher Titel mutete ein bisschen wie ein Kinderreim an, die Flöte agierte wunderbar kantabel. Es gab einen schwingenden Groove, dann wurde es wieder etwas flotter, mal mischte sich eine gewisse Dringlichkeit in den Tonfall und es gab überraschende Akzente - das Ganze wirkte wie ein quirliger, klarer Bach, der niemals genauso aussah wie eine Minute zuvor.
Überraschende Akzente
Auch solo überzeugte Mangold mit Joaquin Turina Sevillanas (1882-1949) »Tanz aus dem Flamenco«, der in der Tat deutlich flamenconisch klang. Die Klangfarben wurden kunstvoll variiert, Mangold musizierte mit bestechender Klarheit, zum Schluss mit mehr Energie; fabelhaft.
Gabriel Faurés (1845-1924) »Sicilienne« op.78 startete poetisch, mit eingängiger Ästhetik. »Pavane« op. 50 begann mit einem ganz ruhigen Intro, nachdenklich, ein wenig Melancholie floss ein. »Berceuse« op. 16 brachte vergleichbare Schattierungen. Danach Claude Debussys »Syrinx« (1862-1918), auch eine traurige Liebesgeschichte, in der Montoya die emotionalen Nuancen herausragend klar artikulierte und in zarter Glaubhaftigkeit vortrug.
Das Finale brachte alles zusammen. Astor Piazzollas (1921-1992) »Histoire du Tango« umfasst die Jahre 1900 über 1960 bis heute. »Bordel« von 1900 kam mit einem leichten, rollenden Rhythmus. »Café« von 1930 ließ die wechselnden Stimmungen im Lokal deutlich werden und in »Nightclub« aus 1960 wurden erneut feinste Nuancen perfekt realisiert. Das »Concert d’aujourd’hui« zeigte beispielhaft die thematisierten musikalischen Entwicklungen auf. Das war lebhaft, modern, sehr kontrastreich und enorm sprudelig. Als Zugabe erhielten die Besucher Piazollas Tango »Zigane«, von den Gästen federleicht und anmutig musiziert.
Ein herausragendes Konzert, das mit technischer Höchstqualität und souveräner Gestaltung der Emotionen überzeugte.